Jeanette, who?

Wer meinen Namen googelt, findet schnell heraus, dass ich in Salzburg lebe, einen Reiseblog namens Follow Your Trolley habe und Yoga unterrichte. Ich habe nicht allzu viele Doppelgängerinnen im Netz, mal abgesehen von der Bürgermeisterin von Todtmoos.

Meine Einzigartigkeit ist also nicht in allzu großer Gefahr. Darüber freut sich das Ego, klar! Das Besondere, das mir erfreulicherweise anhaftet, betrifft aber nicht nur meinen Namen, sondern auch meinen Lebensstil. Was manche als ‚unkonventionell‘ bezeichnen würden, ist für mich Alltag. Alltag, der eigentlich keiner ist, weil kein Tag dem anderen gleicht. Und das ist gut so.

Immer dann, wenn ich von Menschen höre, die ich kenne und auch nicht, dass ich ein unglaubliches Leben habe, ständig an den schönsten Orten unterwegs und zu beneiden bin, weil ich meinen Traum tatsächlich lebe, möchte ich ein wichtiges Detail hinzufügen: Das war nicht immer so und ich habe mich in den Jahren an meine Vision, wie ich leben und arbeiten möchte, Stück für Stück herangetastet.

Nach einem nicht allzu aufregendem Pädagogik-Studium, war mein oberstes Ziel, den Duft der weiten Welt zu schnuppern. Sehr weit kam ich nicht, aber immerhin in den Norden Deutschlands, nach Wien und nach Mallorca, wo ich zwei Jahre lang dem Leben am Meer frönte und als Online-Redakteurin für ein Themenportal mit dabei war, als die Web 1.0-Blase platzte. Wer nicht weiß, was damit gemeint ist, ist vermutlich zu jung: Es war die Zeit, als das Internet irgendwie ‚leer‘ war, so ganz ohne Blogs.

Als mir das PR-Handwerk fast schon zufällig in Österreichs größter Agentur beigebracht wurde, bekam ich meine erste E-Mail-Adresse. Eine Sensation! Abgesehen davon habe ich als junge PR-Assistentin so viel gearbeitet, dass ich meine Wohnung nur im Dunkeln sah. Nach zwei Jahren kam ich in einen derart ausgebrannten Zustand, für den es damals leider noch keinen griffigen Namen gab. Deshalb kam mir die Flucht auf die Balearen-Insel gerade recht. Und ich fand es toll, mit meinem 10 Kilo schweren Laptop den digitalen Nomaden raushängen zu lassen – ebenfalls zu einer Zeit, in der diese Wortkreation noch nicht geboren war.

Später glänzte ich in weiteren Agenturen mit meinem kreativen, fehlerfreien Schreibstil sowie detailgetreuer Eventplanung, ob bei den Salzburger Festspielen oder in noch mondänerem Ausmaße an der Côte d’Azur. Man kann der PR-Branche ja nicht vorwerfen, dass sie eintönig wäre. Aber sie ist fordernd. Irgendwann rief die Welt so laut nach mir, dass ich meinen Job kündigte und mit meiner Freundin Stephie auf Weltreise ging. Mit dem Trolley statt mit dem Rucksack. Es war die Geburtsstunde von Follow Your Trolley, meinem Blog, der vorerst als öffentliches Reisetagebuch für die Daheimgebliebenen fungierte.

Nach 3 Monaten luxuriösen Reisens war das Geld weg und ich kam wieder zurück nach Salzburg. Das Bloggen hatte Spaß gemacht, doch vorerst musste ich meine Kasse wieder auffüllen und so heuerte ich in der nächsten Agentur an. Dort durfte ich mehr schreiben als früher, nicht nur Presseaussendungen, sondern auch für Magazine. Es ging um Lifestyle- und Modethemen und nicht um trockene Unternehmens-PR. Das war ein Fortschritt. Dennoch: Ich schien einfach nicht dafür gemacht, morgens pünktlich um 9 an meinem Schreibtisch zu erscheinen, um den ganzen Tag dort zu verbringen. Je mehr ich mich mit meinem Wohlbefinden, gesunder Ernährung und Yoga beschäftigte, desto mehr wurde mir klar, dass mein Rhythmus ein ganz anderer war. Parallel entwickelte ich eine immer größere Abneigung gegen das Ausfüllen von Urlaubsanträgen und dabei zu hoffen, einen Tag frei zu bekommen. Auf jeden Fall war da immer das schlechte Gewissen auf meiner Seite und ein gewisser Widerwille auf der anderen.

Es war 2011 und ich beantragte meinen Urlaub 8 Monate im Voraus. Einen Monat lang auf Bali abtauchen und dort eine Yogalehrerausbildung machen – ein Traum, dem ich einfach nicht widerstehen konnte und der mein Leben mit neuen, grundlegenden Erkenntnissen, die ich mitten im balinesischen Dschungel gewann, ziemlich über den Haufen warf. Ich hätte mir denken können, dass ich nach meiner Rückkehr noch viel weniger in ein 9-to-5-Leben passen würde. Ich begann damit, Yoga zu unterrichten und meine Wochenstunden im Büro zu reduzieren. Ja, ich erhielt sogar die Möglichkeit, stundenweise ‚von zu Hause aus‘ zu arbeiten. Ein wunderbarer Schritt in Richtung Freiheit und doch war mein liebstes Zuhause eher die weite Ferne. Ich wollte eigentlich gar nicht zu Hause arbeiten, sondern irgendwo, wo die Sonne scheint und das Meer rauscht. Um mir Klarheit zu verschaffen, legte ich eine berufliche Pause ein und ging für einen Monat nach Indien.

Mit jeder längeren Reise wurde deutlicher, dass ich – trotz großer Disziplin und dem Vermögen, auch die unangenehmen Dinge zu einem Ende zu bringen – nicht nach meinem Wesen lebe. Mehr noch: Ich würde auf Dauer sogar meiner Gesundheit schaden.

Der Schritt in die Selbständigkeit im Jahr 2013 fiel mir nicht leicht und doch war es das Beste, was ich tun konnte. Zu schreiben und Yoga zu unterrichten, waren meine beiden Standbeine, die mich über Wasser halten und mir meine ersehnte Freiheit geben sollten. Existenzängste wurden schnell von meiner unbändigen Reiselust in die Knie gezwungen. Denn, wann immer ich wollte, konnte ich nun an einen Ort fahren und dort einfach die Arbeit fortsetzen. Egal, ob es ein Freitag oder ein Dienstag war. Und obwohl ich meinen frisch gewonnenen Kunden anfangs nicht unbedingt auf die Nase binden wollte, dass ich ihren geschätzten Auftrag gerade in südlichen Gefielden erledigte, stellte sich bald heraus, dass jene Kunden, die zu mir passen, selbst einen ähnlichen Lebenstil pflegen oder sich zumindest gerne davon inspirieren lassen. Letztlich vertrauen sie bis heute darauf, dass ich in frei gewählten Atmosphären bessere Texte schreibe, womit sie auch völlig recht haben.

Zum digitalen Nomadentum sei noch gesagt: Die Tastatur des Macbooks lässt sich von der Hängematte aus äußerst schlecht bedienen! Das ist also gar kein erstrebenswertes Ziel. Alternativ funktioniert das im Deckchair auf der Veranda eines Kreuzfahrtschiffs oder auf der bequemen Sonnenliege neben dem Infinitypool viel besser.

Da man nun meine ganze Geschichte kennt, kann ich diese Highlights, die sich während meiner ‚Arbeitszeit‘ ereignen, nun auch uneingeschränkt genießen. Doch ist auch in meiner wunderbaren Welt aus Schreiben, Reisen und Yoga nicht immer alles glamourös. Keineswegs! Ich bin schon ungeplante Nächte ohne Zugriff auf mein Gepäck auf Flughäfen hängengeblieben. Ich habe turbulente Flüge, und noch turbulentere Schiffs- und Taxifahrten erlebt und mir dabei geschworen, dass ich nie wieder eine Reise tue. Und weil ich so abenteuerlustig dann eben doch wieder nicht bin, sitze ich auch mal ganz solide in Salzburg an meinem Schreibtisch und schreibe über banale Themen. Zu Hause ist es nämlich zwischendurch auch mal schön.

Ich habe die Stadt zu meiner liebsten Homebase erklärt. Eine bessere ist mir bisher noch nicht untergekommen. Weil ich die hohe Lebensqualität schätze und hier viele meiner Freunde, Partner und Kunden zu Hause sind. Weil ich hier gerne Yoga unterrichte…und ja, weil der nächste Flughafen auch nicht weit ist! ;)

 

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