Ich habe ein Buch geschrieben. Ohne KI.
„Mit dem Meer plaudern“ entstand aus Reisegeschichten, die lange vor ChatGPT geschrieben wurden. Der Weg vom Reiseblog zum ersten eigenen Buch hat mir gezeigt: Künstliche Intelligenz kann einen persönlichen Schreibprozess redaktionell unterstützen. Doch die schöpferische Substanz entsteht aus gelebter Erfahrung, einer eigenen Perspektive – und dem Mut, dem Wesentlichen Priorität zu geben.
Auf Hydra öffnete ich jeden Morgen ein PDF mit 1.200 Seiten. Darin steckten die gesammelten Geschichten meines Reiseblogs, den ich 2008 gegründet hatte: Reiseerlebnisse, Begegnungen, Gedanken über das Unterwegssein und jene persönlichen Einsichten, die sich manchmal erst zeigen, wenn der Blick weit genug über das Meer reicht.
Ich hatte das Dokument zuvor eher beiläufig in einem Ordner auf meinem Laptop abgelegt. Erst auf der Insel wurde mir klar, was ich da eigentlich vor mir hatte: ein umfangreiches Archiv meines Schreibens – und gleichzeitig ein Stück meiner eigenen Entwicklung.
Die Idee für ein Buch war einige Wochen zuvor in Barcelona entstanden. Auf Hydra wurde sie konkret. Nicht unbedingt während der Stunden am Laptop, sondern in jenen Momenten, in denen ich am Hafen entlang zu den Felsen unterhalb des Sunset-Restaurants ging und mit dem Meer über meine Pläne plauderte.
Mit dem Meer statt mit der KI plaudern
„Mit dem Meer plaudern“ stand nie auf meiner To-do-Liste. Dort befand sich ein anderes Buch, eines mit einer schweren Lebensgeschichte, das offenbar noch Zeit brauchte. Die Reisegeschichten dagegen waren längst geschrieben. Ich hatte nur noch nicht erkannt, dass sie zusammengehörten.
38 Geschichten wurden es am Ende, verteilt auf 215 Seiten. Einige Texte überarbeitete ich, andere schrieb ich teilweise neu, alle brachte ich in eine Reihenfolge, die mehr erzählte als eine lose Sammlung von Reiseerinnerungen.
Plötzlich wirkte mein 2008 gegründeter Reiseblog wie die Vorbereitung auf ein Buch, das erst viele Jahre später entstehen konnte. Die damalige Reisebloggerin hatte geschrieben, gesammelt und geteilt. Die heutige Autorin erkannte darin eine größere Geschichte.
Diese Erfahrung hat meinen Blick auf kreative Entwicklung verändert. Wir glauben oft, etwas Neues erschaffen zu müssen, obwohl vieles bereits vorhanden ist: in alten Texten, wiederkehrenden Gedanken, scheinbar beiläufigen Entscheidungen und Interessen, die uns über Jahre begleiten. Manchmal fehlt keine weitere Idee. Es fehlt der Blick für die Verbindung.
Was das Buch mit meiner eigenen Entwicklung zu tun hat
Nach Hydra kam mein Retreat auf Kreta. Danach kehrte ich in einen Alltag zurück, der sich ziemlich unerbittlich gegen das am Meer begonnene Vorhaben stemmte.
Normalerweise hätte ich zuerst alles Vernünftige, Lukrative und vermeintlich Dringliche erledigt. Dieses Mal drehte ich die Reihenfolge um. Ich lehnte sogar Aufträge ab, die meinem Kontostand gutgetan hätten, aber nicht dem, was ich in diesem Moment für wesentlich hielt.
Anfang Juli waren die letzten Korrekturen erledigt. Wenige Tage später hielt ich das erste Exemplar in den Händen, noch bevor ich vollständig realisiert hatte, was ich da auf den Weg gebracht hatte.
Für mich wurde das Buch damit zu einer Etappe meiner eigenen Ära des Werdens. Es entstand in einer Phase, in der ich begann, meiner Intuition mehr Gewicht zu geben und meine Prioritäten anders zu setzen. Die Veröffentlichung war keine spontane Laune. Vielmehr war sie das Ergebnis vieler Jahre des Schreibens – und einer Entscheidung im richtigen Moment.
Menschliche Autorschaft im Zeitalter der KI
Keine Zeile in diesem Buch wurde mit Künstlicher Intelligenz geschrieben. Eine klare Entscheidung, obwohl ich die Möglichkeiten der KI ansonsten sehr schätze. Als KI-Mentorin entwickle ich selbst KI-gestützte Redaktionssysteme und beschäftige mich intensiv damit, wie Künstliche Intelligenz Gedanken strukturieren, Wissen vernetzen und redaktionelle Prozesse erleichtern kann.
Ich brauche die KI jedoch nicht, um meine persönlichen Texte zu schreiben.
Die Geschichten in „Mit dem Meer plaudern“ stammen aus meinem Leben. Sie tragen meinen Blick auf Orte und Menschen, meine Erinnerungen, meine damaligen Fragen und den sprachlichen Rhythmus jener Zeit in sich. Viele wurden geschrieben, lange bevor generative KI Teil unseres Alltags wurde.
Ein bewusster Umgang mit KI bedeutet für mich auch, sie wegzulassen, wenn sie keinen schöpferischen Mehrwert hat.
Trotzdem war sie Teil des Entstehungsprozesses. Sie unterstützte mich beim Lektorat und half mir dabei, die Anordnung der Geschichten zu prüfen. Damit übernahm sie Aufgaben, die ich ihr auch in meiner professionellen Arbeit anvertraue. Die Erfahrungen, Gedanken, sprachlichen Entscheidungen und endgültigen Urteile blieben allerdings bei mir.
Die Technologie muss nicht zur Urheberin werden, um hilfreich zu sein. Sie kann ein Redaktionsteam bilden, während der Mensch Chefredakteurin und Quelle der schöpferischen Substanz bleibt.
Ein Reiseblog wurde zum Buch
„Mit dem Meer plaudern“ erzählt von Orten am Wasser, vom Reisen und von der Suche nach Antworten, die ihre Fragen manchmal noch gar nicht kennen. Für mich erzählt das Buch inzwischen noch eine weitere Geschichte: die Geschichte einer Arbeit, deren roter Faden erst im Rückblick sichtbar wurde.
Mein Reiseblog war kein abgeschlossenes Kapitel, das bedeutungslos geworden war. In ihm lag bereits vieles, was meine Arbeit bis heute prägt: mein journalistischer Blick, meine Liebe zu Sprache und Atmosphäre sowie auch mein Interesse an Identität und Entwicklung.
Die Veröffentlichung hat verschiedene Lebensphasen miteinander verbunden. Das frühere Schreiben wurde Teil meiner heutigen Arbeit. Und die Reisebloggerin von damals musste nicht verschwinden, damit die Kommunikationsstrategin, KI-Mentorin und Autorin von heute entstehen konnte.
Vielleicht besteht persönliche Weiterentwicklung manchmal darin, zu erkennen, dass wir nicht jedes Mal von vorne beginnen müssen. Vieles von dem, was irgendwann begann, wartet nur darauf, eine neue Form anzunehmen und endlich ernst genommen zu werden.
xx Jeanette
PS: Dieser Artikel ist mit meinem KI-Redaktionssystem entstanden. Als Grundlage diente ein persönlicher Text, den ich zur Veröffentlichung meines Buches geschrieben hatte. Mein Redaktionssystem hat mich dabei unterstützt, daraus einen Blogartikel zu entwickeln – auf Basis meiner Gedanken, meiner Inhalte & meiner Sprache.