Die Kraft der Pause
'Die meisten Antworten stecken nicht im Tun. Du findest sie in den Pausen, in den Momenten dazwischen.'
Ich plaudere oft mit dem Meer. Am liebsten mit dem Atlantik. Ich gehe, manchmal stundenlang, barfuß am Strand entlang. Fest mit dem Boden verbunden, komme ich vom Denken ins Fühlen. Vom Tun ins Sein.
Das Rauschen der Wellen, das meine Ohren betäubt. Die salzige Luft, die alle anderen Sinne beflügelt.
Es ist, als käme meine Seele vorsichtig aus ihrem Schneckenhaus. Oft frage ich mich, ob sie oder das Meer mit mir spricht. Dabei kenne ich die Antwort mittlerweile sehr genau: Es spielt keine Rolle. Denn alles ist eins.
Mein Verstand sträubt sich gegen Strandspaziergänge. Er möchte keine Zeit verschwenden. Er möchte verstehen, analysieren und das Ergebnis sorgfältig in eine Schublade packen.
Ich gehe weiter, so lange bis ein Wort entsteht. Ein Satz. Ein Gefühl. Ein Gedanke.
Etwas formt sich und verändert sich. Es möchte sich erst dann greifen lassen, wenn ich verspreche, mich nicht anzustrengen. Wenn ich nichts erwarte und nicht versuche, dieses Etwas festzuhalten.
Und dann ist sie da. Diese kleine oder große Erkenntnis. Eine ganz klare Botschaft. So wie diese hier.
Später schreibe ich sie auf, tippe sie in mein Smartphone. So wie sie kommt. Ohne über den Sinn nachzudenken. Denn es könnte sein, dass der Verstand sonst dazwischenkommt und die gewonnene Einsicht zerstört.
Irgendwann wird er einsehen, dass er es ist, der am meisten profitiert. Von den Pausen. Von den Momenten, in welchen nichts geschieht und die gerade deshalb alles verändern können.
xo Jeanette